Wenn mich Menschen fragen, was mich an der Gewaltfreien Kommunikation fasziniert, dann lautet die ehrliche Antwort: Weil ich selbst erfahren habe, wie tiefgreifend Veränderung möglich ist. Mein Weg zur Gewaltfreien Kommunikation begann nicht aus beruflichem Interesse. Er begann an einem Punkt in meinem Leben, an dem vieles nicht mehr stimmig war. Zu diesem Zeitpunkt sendete auch mein Körper unüberhörbare Signale, die ich nicht länger ignorieren konnte, denn ich hatte sie bereits 30 Jahre geduldet und damit gelebt. Schmerzen als «normal» zu betrachten, kommt mir im Nachhinein seltsam vor. Heute denke ich: Beschwerdefrei ist das Leben deutlich angenehmer ;o)
Als ich 2008 der Gewaltfreien Kommunikation begegnete, suchte ich ursprünglich nach einer Methode zur Konfliktlösung. Damals war ich ahnungslos, wohin mich dieser Weg eines Tages führen würde. Die Gewaltfreie Kommunikation veränderte nicht nur meine Gespräche. Sie veränderte meine Sicht auf mich selbst, auf andere Menschen und auf die Art, wie Konflikte entstehen. Genau deshalb liegt der Schwerpunkt meiner Arbeit nicht auf Kommunikationstechniken. Natürlich sind Worte wichtig. Die Haltung dahinter ist jedoch entscheidend. Deshalb lautet die eigentliche Frage für mich: Was braucht es wirklich, damit Gewaltfreie Kommunikation nicht nur verstanden, sondern gelebt werden kann? Vom Begründer der Gewaltfreien Kommunikation, Marshall B. Rosenberg hörte ich einmal: «Gewaltfreie Kommunikation lernt man nicht allein auf dem Sofa.» Dem kann ich voll zustimmen. Sie entsteht dort, wo Menschen einander begegnen. Dort, wo wir uns zeigen und uns berühren lassen. Wo unterschiedliche Sichtweisen aufeinandertreffen und wir erleben, was in uns lebendig wird, wenn wir Zustimmung erhalten, missverstanden werden, unsicher sind oder uns verletzlich zeigen. Genau diese Momente sind wertvolle Lernfelder. Sie benötigen einen geschützten Raum, Vertrauen und Menschen, die bereit sind, sich ehrlich zu begegnen. Ich denke, nur so entstehen neue Beziehungserfahrungen. Erfahrungen, die uns zeigen, dass Verbindung auch dann möglich bleibt, wenn wir unterschiedlich sind. Für mich ist genau das einer der fruchtbarsten Böden für persönliches Wachstum.