02. März 2026 SeminarCoachingPodcastLesezeit: 8 MinutenVon Uschi Kellenberger

Wie Kommunikation und Gesundheit zusammenhängen

Nun möchte ich dich dazu einladen, mit mir über ein Thema nachzudenken, das mir besonders am Herzen liegt: dem Zusammenwirken von Kommunikation und Gesundheit. Aufgrund meiner persönlichen Erfahrungen bin ich davon fasziniert, wie einfach wir zu unserem körperlichen Wohlbefinden beitragen können. Es ist so wertvoll, in die Selbstverantwortung zu gehen und einen gewaltfreien Umgang zu pflegen. Unserem Körper zuliebe!

Ich vermute, du kennst dieses körperliche Unwohlsein, wenn ein schwieriges Gespräch bevorsteht oder gerade stattgefunden hat. Dieses feine Ziehen im Magen, der Druck auf der Brust, die angespannte Atmung, ein Kloss im Hals. Vielleicht bemerkst du, wie sich deine Schultern leicht anheben, dein Herz schneller schlägt oder dein Körper eine Art innere Alarmbereitschaft aufbaut. Die Muskeln spannen sich an, die Gedanken beginnen zu kreisen.

Die enge Verbindung zwischen Körper und Kommunikation

Auch wenn noch nichts gesagt wurde, scheint dein ganzer Organismus bereits zu wissen, dass etwas auf dich zukommt, das unangenehm sein könnte. Dein Körper reagiert, bevor dein Verstand begreift, was geschieht. Manchmal ist es, als würdest du dich unbewusst auf einen Kampf vorbereiten – oder auf eine Flucht. Und genau das passiert tatsächlich: Dein Nervensystem aktiviert alte Schutzmechanismen, gespeist aus Erfahrungen, in denen Kommunikation nicht sicher war.
Diese Reaktion zeigt, wie eng Kommunikation und Körper miteinander verbunden sind. Manchmal genügt ein kurzer Satz, ein Blick oder ein Tonfall – und schon zieht sich in dir etwas zusammen. Der Verstand übernimmt, denn wir sind es meist nicht gewohnt, auf unseren Körper zu hören. Doch Worte sind nicht einfach nur Töne oder Gedanken – sie wirken tief im Körper. Jedes Gespräch, jede Begegnung berührt nicht nur unseren Kopf, sondern auch unser Nervensystem und unser Herz.
War das Gespräch oder die Begegnung von Wertschätzung und Verbindung geprägt, bleibt unser Körper entspannt. Doch wenn eine Begegnung nicht guttut, reagiert er sofort – manchmal leise und kaum wahrnehmbar, manchmal laut und unüberhörbar. Leider haben viele Menschen nicht gelernt, diese Signale ernst zu nehmen. Sie überhören den Körper, bis er lauter wird – in Form von Schmerzen, Erschöpfung oder innerer Unruhe.

Urteile, Kritik und Schuldzuweisungen erzeugen körperliches Unwohlsein

Marshall Rosenberg nennt diese Art, miteinander und mit uns selbst umzugehen, die Sprache der Wölfe – eine Weise zu sprechen und zu denken, die trennt statt verbindet, voller Urteile, Kritik, Schuld oder Verteidigung. Sie schaffen Distanz, wo wir Nähe brauchen, und sie hinterlassen Unwohlsein auf Körperebene. Schlimmer noch – auf Dauer schaden sie unserer Gesundheit.
In der Gewaltfreien Kommunikation unterscheiden wir zwei Arten von Wölfen: die äusseren und die inneren.

Manchmal genügt ein kurzer Satz, ein Blick oder ein Tonfall – und schon zieht sich in dir etwas zusammen. Der Verstand übernimmt, denn wir sind es meist nicht gewohnt, auf unseren Körper zu hören.

Uschi Kellenberger

Die äusseren Wölfe

Ich höre in meinen Seminaren immer wieder von den Teilnehmenden: «Ich liebe meine Arbeit – aber nicht, wie wir dort miteinander umgehen.» Die äusseren Wölfe sind die gesprochenen und gehörten Worte, die uns im Alltag, im Beruf und in Beziehungen begegnen. Sie greifen an, verurteilen, vergleichen, drohen oder kontrollieren. Ihre Sprache ist die der Schuld, des Drucks und des Rechthabens. Bsp: «Du bist zu sensibel.», «Immer musst du übertreiben.», «Jetzt reiss dich doch endlich zusammen.» Oder du merkst, dass du selbst Worte benutzt hast, die du gar nicht sagen wolltest – etwas Ironisches, Be- oder Abwertendes, Urteilendes oder Kritisches.

Die inneren Wölfe

Wer nach aussen so spricht, spricht mit grosser Wahrscheinlichkeit auch nach innen auf dieselbe Weise – in Form von Gedanken, meist unbewusst. Vielleicht kennst du solche inneren Stimmen: «Ich bin nicht gut genug.», «Ich hätte das besser machen müssen.», «Ich darf nicht so schwach sein.» Diese inneren Wölfe sind oft noch gnadenloser als die äusseren. Sie entstehen aus alten Überzeugungen, aus erlernten Mustern und aus der Angst, nicht zu genügen oder nicht geliebt zu werden.
Die Wölfe, ob innerlich oder äusserlich, fressen Energie, Vertrauen und Gesundheit. Sie rauben uns Schlaf, sie spannen den Körper an, sie halten den Kopf im Daueralarm. Und dabei machen sie uns klammheimlich krank – seelisch und körperlich. Es ist Zeit zu merken: Nicht die anderen machen uns krank – sondern die Art, wie wir mit uns selbst und mit ihnen sprechen.
Ich persönlich habe meine Arbeit mit der Gewaltfreien Kommunikation genau auf diese inneren Wölfe ausgerichtet – ich nenne sie liebevoll Wurzelwölfe. Denn sie sind die Wurzeln vieler unserer äusseren Konflikte und körperlichen Belastungen. Was auch passieren kann: Manchmal schlucken wir Ärger herunter, um den Frieden zu wahren. In der Gewaltfreien Kommunikation haben wir wertvolle Tools, die Wölfe zu besänftigen, anstatt sie zu verschlucken. Runterschlucken fördert nämlich Verdauungsbeschwerden.

Innere Arbeit verändert die äußere Kommunikation

Das Tragische ist: Wölfische Kommunikation geschieht nicht aus Bosheit, sondern aus Hilflosigkeit und Unwissenheit. Wir haben sie gelernt – zu Hause, in der Schule, im Beruf – und halten sie für normal. Doch normal ist nicht gleich gesund. Viele Menschen leben heute in diesem Zustand und nennen ihn „Alltag“. Doch dieser Alltag kostet Kraft. Er raubt Lebensfreude, Leichtigkeit und innere Ruhe.
Wir alle wollen verstanden, gesehen und respektiert werden. Aber wenn wir das nicht gelernt haben, greifen wir zu den Worten, die uns vertraut sind – und die führen uns oft weiter weg von dem, wonach wir uns wirklich sehnen: Verbindung, Sicherheit, Frieden und Nähe.
Sobald ich beginne, gewaltfrei mit mir selbst zu sprechen, verändert sich auch mein Umgang mit den äusseren Wölfen. Kurz: Die innere Arbeit verändert äussere Kommunikation. Das heisst: Je mitfühlender und achtsamer ich innerlich werde, desto friedlicher, klarer und respektvoller wird auch meine Kommunikation im Aussen.
In meinem Modul 1, wenn Menschen zu mir kommen, um die Gewaltfreie Kommunikation kennenzulernen, spüre ich diese Hilflosigkeit immer wieder ganz deutlich.
Oft ist da grosses Staunen, manchmal auch Erleichterung, wenn sie entdecken, dass es tatsächlich andere Wege gibt – Wege, auf denen wir verstanden werden können, ohne zu kämpfen, und auf denen wir uns selbst wieder mitfühlend begegnen dürfen. Und fast immer höre ich den Satz: «Hätte ich das doch nur früher gelernt.» Denn erst dann wird vielen bewusst, wie viel Leid unsere Art zu sprechen – mit uns selbst und mit anderen (also die äusseren und die inneren Wölfe) – über Jahre hinweg verursachen kann.

Kommunikation ist ein Spiegel unseres inneren Zustands

Als ich im Jahr 2008 die Gewaltfreie Kommunikation kennengelernt habe, fand ich es erstaunlich, wie sehr Sprache unseren Körper prägen kann. Wenn wir immer wieder in diesen wölfischen Mustern stecken – innerlich oder äusserlich –, dann läuft unser Nervensystem im Dauerbetrieb. Ein Teil von uns ist ständig in Alarmbereitschaft.
Für mich war meine tägliche Schmerzthematik, die ich über dreissig Jahre mit mir herumgetragen hatte und für die es keine klare medizinische Erklärung gab, plötzlich kein Rätsel mehr. Ich dachte, ich mach jetzt mal ein Konfliktlösungsseminar – gefunden habe ich Gesundheit. Gelernt habe ich was der eigentliche Schmerz hinter den Wölfen ist: Nicht gehört, nicht verstanden, nicht verbunden zu sein – nicht mit anderen, und auch nicht mit sich selbst. Im Alltag zeigt sich das in Körpern, die schmerzen, weil Bedürfnisse nicht erkannt oder zu lange überhört wurden.
Viele Menschen glauben, Kommunikation sei einfach ein Werkzeug – um gehört zu werden, zu informieren oder verstanden zu werden. Für mich persönlich ist sie viel mehr: Kommunikation ist ein Spiegel unseres inneren Zustands.

Körperliche Folgen unseres wölfischen Umgangs mit uns selbst und anderen

Die Forschung und meine Erfahrung zeigen, wie eng seelische und körperliche Prozesse miteinander verwoben sind. Wenn wir über Jahre in wölfischer Kommunikation leben, können diese Folgen auftreten: dauerhafte Aktivierung des Stresssystems, erhöhter Cortisolspiegel, Schlafprobleme, Verspannungen, Erschöpfung, Innere Unruhe, depressive Verstimmung, Bluthochdruck, Herz-Kreislauf-Belastung, Aggressionsstau, Magenbeschwerden, Spannungskopfschmerz, Nackenschmerzen, Tinnitus, Verdauungsprobleme, Hautreaktionen usw.
All das sind Ausdrucksformen derselben Wurzel: Wir sind nicht im Kontakt – weder mit uns selbst noch mit dem anderen Menschen. Ich denke, es ist ein Irrtum zu glauben, Kommunikation sei nur ein Werkzeug des Verstandes. In Wirklichkeit ist sie ein lebendiger Ausdruck unserer Verbindung – und der Körper reagiert, falls diese Verbindung fehlt. Hier sind Beispiele, wenn die Verbindung fehlt: Konflikte und Missverständnisse, Schuld- und Schamgefühle, der Eindruck, ständig kämpfen zu müssen, unterdrückte Emotionen und „Runterschlucken“, Gefühl der Hilflosigkeit und in der Opferrolle verharren, Perfektionismus und innere Härte.

Sind Bedürfnisse unerfüllt, sendet der Körper Warnsignale

Der Körper reagiert nicht „zufällig“, sondern als intelligentes System, das signalisiert, dass bestimmte Bedürfnisse gerade (oder schon länger!) nicht erfüllt sind. Er sendet uns Signale, weil er uns schützen will – weil er spürt, dass etwas in uns aus dem Gleichgewicht geraten ist. Vielleicht ist es das Bedürfnis nach Harmonie, nach verstanden werden, nach Sicherheit oder nach Respekt. Manchmal auch nach Ruhe, Klarheit oder Verbindung. Wenn diese Bedürfnisse unerfüllt bleiben, sendet der Körper Alarmzeichen – nicht, um uns zu bestrafen, sondern um uns aufmerksam zu machen. Er sagt sinngemäss: „Etwas in dir braucht gerade Zuwendung.“ „Etwas möchte gesehen und ernst genommen werden.“ Aus meiner Erfahrung ist es hilfreich, wenn wir beginnen, die Körpersignale nicht als Störung, sondern als Botschaft zu verstehen, denn dann ändert sich alles. Und wir merken: Der Körper ist kein Gegner – er ist unser Verbündeter. Er zeigt uns, wo wir uns gerade von uns selbst entfernt haben, und lädt uns ein, wieder in Kontakt zu kommen.

Gesundheit entsteht, wenn wir uns wieder verstehen – innen wie aussen

Die Gewaltfreie Kommunikation ergänzt diesen Prozess mit Selbstmanagement-Kompetenzen auf tieferer Ebene. Sie vermittelt nicht nur Worte, sondern eine Haltung: Zu lernen, meine Gefühle und Bedürfnisse wahrzunehmen, ohne mich zu verurteilen. Zu erkennen, was mein Körper mir sagen will, bevor er laut werden muss. Und zu beginnen, mit mir und mit anderen so zu sprechen, dass Verbindung statt Druck entsteht. Dadurch verändert sich nicht nur die Art zu kommunizieren – sondern oft auch der Umgang mit Schmerz, Angst und Stress. Denn wo Verständnis entsteht, kann Anspannung weichen und dadurch kann die psychische wie auch körperliche Widerstandskraft (Resilienz im ganzheitlichen Sinn) wachsen.
Aus meiner eigenen Geschichte und Erfahrung heraus denke ich, dass uns die GFK eine heilsame Kraft der Verbindung mitgibt. Denn wölfische Kommunikation führt zu innerer Anspannung, Trennung und Stress und GFK führt zu Verbindung, Selbstkontakt und Entspannung.

Gesundheit entsteht, wenn wir uns wieder verstehen – innen wie aussen.
Marshall Rosenbergs Konzept der Wölfe zeigt eindrücklich, wie sehr wertende, trennende oder defensive Kommunikation unser inneres und äusseres Wohlbefinden beeinträchtigen kann.

Die GFK ist eine heilsame Praxis, die deine psychische und körperliche Gesundheit direkt stärkt

Menschen, die wölfisch kommunizieren, leiden oft nicht an den Konflikten selbst, sondern daran, dass sie den Kontakt zu ihren eigenen Gefühlen und Bedürfnissen verloren. Gesundheitlich kann das – wie bereits beschrieben – zu körperlichen Beschwerden führen. Wenn wir aufhören, uns selbst oder andere zu bekämpfen, und stattdessen beginnen, uns zu verstehen, entsteht Ruhe – in uns, in unseren Beziehungen und in unserem Körper.
GFK ist damit kein „Soft Skill“, sondern eine heilsame Praxis, die psychische und körperliche Gesundheit direkt stärkt. Denn Heilung unabhängig auf welcher Ebene, beginnt dort, wo wir wieder in Verbindung treten – mit uns selbst, mit anderen und mit dem Leben.

Für WISSEN: Möchtest du diese heilsame Praxis lernen? Dann sieh dich jetzt in unseren Seminaren um”.

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